the complete death of cool.

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Hej, I'm Annka.
I'm through being cool.
  Was reden die denn da? Barbara Kirchner über »feministisches Sprachhandeln« und seine Kritiker (konkret 09/2014)

hintergrundrauschen replied to your post:Verstehe nicht direkt die Problematik, ich bin einfach zu blöd für sowas.. :-/Könntest du mir bisschen “einfacher” erklären was dandy diary gemacht hat und was dich stört? Das wäre super

Hate Magazine hat was mit “linken, emanzipatorischen Zusammenhängen” zu tun?

Ich habe das vorhin unter “Dunstkreis” subsumiert, nachdem ich gecheckt habe, wem unter meinen Facebook-Freund*innen das HATE Mag ‘gefällt’. Meist sind deren Inhalte auch irgendwie politisch und hin und wieder ja auch gut - vielleicht ist HATE sowas wie VICE für Leute die VICE beschissen finden?!

       Anonymous

Vorweg: Ich besitze Artikel der Firma, die auf verschiedensten Wegen in meinen Besitz gelangt sind. Warum AA kein cooles Label ist und das auch, nachdem der CEO zurückgetreten wurde, steht ja an vielen Stellen im Internet. Ich halte AA für eine jener Erscheinungen, die noch aus der postmodernen Gesellschaft der 1990er stammt (ähnlich dem VICE Magazin), denen die Codes der politischen Korrektheit zwar geläufig sind, sie aber meinen, diese mit einem koketten Augenzwinkern brechen zu können - weil Ironie, Verweis auf die eigene Sozialisation, die Kreise in denen man sich bewegt oder wasauchimmer. Vermittelt wird dieses Paket dann gern mit der Arroganz des Weißichdocheigentlichauch.

Fun Fact: Als ich im August in Berlin bei AA war, wurde ich aufgefordert, mich doch dort zu bewerben um dann im Store in Mitte T-Shirts zu falten. Weil ich "so nett" sei. Die Zeiten ändern sich, auch bei American Apparel. 

       Anonymous

Quatsch, du bist nicht zu blöd, bestimmt hattest du bisher ein glückliches Leben und von Dandy Diary einfach noch nichts mitbekommen. Gratulation.

DD ist nach eigener Auskunft Deutschlands erster Männermode-Blog, gegründet von zwei Typen die zwischenzeitlich aus meiner Heimatstadt nach Berlin gezogen sind. In einem Interview mit der WELT gab einer der Macher an, auf dem Blog „deutlich formulieren [zu wollen], was geht und was nicht geht“ - besonders im zweitgenannten Aspekt liegt der Schwerpunkt.

Resultat dieses mission statements sind dutzende selbstverliebte Inszenierungen der Überlegenheit des eigenen Looks und Geschmacks, regelmäßige Griffe in die hässliche Kiste der Cultural Appropriation, das sich-Lustig-Machen über Armut und Prekariat, und ein besonders gehässiger Ton, der vermutlich edgyness benennen soll, aber eigentlich nur das totale Fehlen eines selbstreflexiven Moments offenbart. Roth und Haupt, die Autoren von DD, inszenieren sich gerne als enfants terribles der Industrie oder gar als deren Renegaten. So geschehen auch beim letzten inszenierten 'Skandal', als DD für ein bayrisches Trachtenhaus eine Lederhose zum Oktoberfest designen sollte und diese dann u.a. mit “MS 13” besticken ließen, dem Erkennungscode der Mara Salvatrucha, einer lateinamerikanischen Gang. DD dazu: „Der Rapper-Look aus Los Angeles ist aktuell bei vielen Marken angesagt. Die MS 13 hat den radikalsten, weil authentischsten Look.” WTF. Was haben privilegierte, weiße, reiche Fashion Blogger aus Berlin mit lateinamerikanischen Gangs zu tun, die dort schon seit Jahrzehnten ganze Gesellschaften terrorisieren und destabilisieren? Warum sollte man sich überhaupt positiv auf diese Scheiße beziehen? Und was ist überhaupt der positive Mehrwert eines “radikalsten, weil authentischsten” Looks - gerade wenn er einem solchen Matschtümpel entstiegen ist?

Ich halte Dandy Diary für das narzisstische Vehikel zur Selbstprofilierung von zwei Vollidioten, die das postmoderne Mantra des anything goes verinnerlicht haben, jetzt auch dieses vermeintliche ‘Recht’ pochen und Einspruch entsprechend abperlen lassen. Die beiden “Dandies” (ein Affront gegenüber Oscar Wilde, Roth und Haupt als “Dandies” zu bezeichnen!) lieben, suchen und finden die medienwirksame Provokation. Ich habe keinen Bock, ihnen dabei zuzuschauen (müssen). 

Warum DD Aufmerksamkeit aus linken, emanzipatorischen Zusammenhängen erfährt, die jenseits der Kritik ist, bei Hate Magazine heute früh ja eindeutig affirmativ war, ist mir nicht klar. Vielleicht bin ich da zu blöd für?!